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Fragen und Antworten zum Thema Alkohol

• Alkoholwirkung
• Wieviel ist zuviel
• Wie entstehen die Promille
• Kritischer Konsum
• Abhängiges Trinken
• Alkoholmissbrauch
• Angehörige
• Selbstbeurteilungs-Fragebogen

Alkoholwirkung
Alkohol wirkt dämpfend und euphorisierend auf den Organismus, löst Aengste - v.a. soziale Aengste und Verlegenheiten, weswegen Alkoholkonsum in sozialen Situationen allgemein üblich ist -, wirkt beruhigend und entspannend. Gefühle werden häufig intensiver erlebt. Mit nachlassenden Aengsten nimmt auch die Vorsicht ab, man fühlt sich mutiger, das Selbstwertgefühl nimmt zu.

Wieviel ist zu viel?
Für gesunde Erwachsene gelten 1-2 Standardgetränke (1 Standarddrink: 1 dl Wein, oder 1 Stange Bier, oder 4 cl Spirituosen)  pro Tag 3 - 4 mal in der Woche als unbedenklich. Frauen reagieren grundsätzlich empfindlicher auf Alkohol.

Ein geringer Alkoholkonsum senkt das Risiko von Herzinfarkt leicht; steigt der Konsum, so steigt auch dieses Risiko wie alle weiteren Gesundheitsrisiken an.

Auch bei geringem Alkoholkonsum entstehen Probleme und Gefahren, wenn Alkohol mit Medikamenten (v.a. Beruhigungsmitteln) kombiniert wird, wenn erhöhte Anforderungen an die Aufmerksamkeit bestehen (Strassenverkehr, Ski fahren, Bedienen von Maschinen), bei Krankheiten, oder in der Schwangerschaft.

Bei höheren Trinkmengen bestehen Gesundheitsrisiken.

Wie entstehen die Promille?
Promille Rechner auf der Homepage der Fachstelle "Am Steuer nie"
www.fachstelle-asn.ch

Kritischer Konsum
Der menschliche Organismus kann sich regelmässigem Alkoholkonsum anpassen. Je mehr und je häufiger man trinkt, umso grössere Mengen braucht es, um die ursprüngliche Wirkung zu erreichen. (Toleranzbildung).

Wird gezielt getrunken, um bestimmte Probleme zu dämpfen (Aengste, Schmerzen, Depressionen), so verstärken sich diese bei längerem regelmässigen Konsum häufig. So entstehen langsam sogenannte "Teufelskreise", positive Rückkopplungen, die schleichend in eine Abhängigkeit führen können.

Regelmässiger geselliger Alkoholkonsum kann zu Gewohnheitsbildungen führen. Weil in unserer Gesellschaft allgemein viel getrunken wird, bildet der Vergleich mit anderen Personen meistens keinen Anhaltspunkt dafür, ob man gesundheitsschädigend trinkt oder nicht.

Abhängiges Trinken
Eine Alkoholabhängigkeit entwickelt sich meistens sehr langsam und über viele Jahre.

Die folgenden Kriterien wurden von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) definiert:
Wenn während des letzten Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig vorgekommen sind, so ist dies ein Hinweis, dass sehr wahrscheinlich eine Alkoholabhängigkeit vorliegt:

1. starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu konsumieren
2. verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich:
• Beginn
• Beendigung
• Menge des Konsums
3. ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums (Unruhe, qualvolle Gefühle, körperliche Entzugserscheinungen)
4. Nachweis einer Toleranz. Um die ursprünglich durch niedrige Dosen erreichten Wirkungen hervorzurufen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich
5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen, erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen
6. anhaltender Alkoholkonsum trotz Nachweises und Wissen um schädliche Folgen wie. z.B. Leberschädigung (Arztdiagnose), depressive Verstimmungen etc.
(aus: ICD-10)

Bei regelmässigem Alkoholkonsum über den Tag verteilt kann eine körperliche Abhängigkeit entstehen, ohne dass Rauschzustände auftreten.

Umgekehrt kann sich eine Alkoholabhängkeit auch in regelmässigen oder häufigen Rauschzuständen zeigen, bei intakter Fähigkeit, zu anderen Zeiten wenig oder gar nicht zu trinken.

Alkoholmissbrauch
Hoher Alkoholkonsum muss nicht immer mit einer Abhängigkeit verbunden sein. Wenn trotz des Risikos von Gesundheitsschäden Unfällen, oder negativen sozialen Folgen getrunken wird, spricht man von Alkoholmissbrauch.

Angehörige
Weil sich eine Alkoholabhängigkeit langsam entwickelt, realisieren auch Angehörige das Problem erst allmählich. Oft versuchen sie zu helfen, müssen aber feststellen, dass dies sehr schwierig ist.

Ein besonderes Problem liegt darin, dass gegenseitiges Aushelfen und Unterstützen, wie es in einer Partnerschaft üblich ist, ein Alkoholproblem schlussendlich verlängern kann. Parallel zur Abhängigkeit des oder der Trinkenden kann sich so eine sogenannte "Co-Abhängigkeit" entwickeln.

Angehörige können sich für Beratungsgespräche oder für ein spezielles Gruppenangebot an unsere Beratungsstellen wenden. Weitere Unterstützung finden Sie auch bei Hausärzten oder bei den Gruppen der Al-Anon.

Selbstbeurteilungs-Fragebogen (Deutsche Version des AUDIT (aus Wetterling et al.,1997)