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Hier finden Sie weitere Themenschwerpunkte in der Sekundärprävention

• Sekundärprävention im Fachbereich Alkohol des SPD
• Viele Kranke, wenig Patienten
• Alle Bereiche und Hierarchiestufen

Sekundärprävention im Fachbereich Alkohol des SPD
Sekundärprävention hat zum Ziel, Suchtgefährdung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Dadurch kann die Gesundheit Betroffener erhalten und ihre soziale Ausgrenzung verhindert werden. Ausserdem kann der gemeinschaftsschädigenden Wirkung des Alkoholkonsums durch abgestimmte Konzepte begegnet werden.

Von Alkoholproblemen sind ca. 20% der Bevölkerung betroffen; die meisten von ihnen durch ein gesundheitsgefährdendes Konsummuster, viele durch eigentliche Abhängigkeit. Diese zeigt sich am Verlust der Kontrolle über den Konsum.

Schwierige Situationen im Zusammenhang mit Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit treten in vielfältigen Bereichen auf und führen zu Konflikten und Gefahren in der Familie, am Arbeitsplatz, im Gesundheits- und Sozialwesen, bei Justiz und Polizei.

Wir halten ein breites Angebot an Dienstleistungen bereit für Arbeitgeber, Vorgesetzte, Fachpersonen aus helfenden Berufen und anderen Interessierten.


Viele Kranke, wenig Patienten
Alkohol ist ein Kulturgut, das uns viel Genuss verschafft. Mit den Schattenseiten der Droge Alkohol müssen wir erst lernen, kompetenter umzugehen.

Gegenwärtig sind am SPD rund 220 Personen wegen Alkoholproblemen in Behandlung. Verglichen mit dem Jahr 1997 bedeutet das eine Zunahme um 53%. Diese Tatsache darf jedoch nicht so interpretiert werden, dass das Ausmass der Alkoholabhängigkeit in den letzten Jahren angestiegen sei, sondern so, dass mehr Betroffene Hilfe in Anspruch nehmen wollen.

Trotzdem standen im Jahr 2000 nur 0,18% der Bevölkerung im Kanton Schwyz in einer Alkoholbehandlung. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass ca. 3 % der Bevölkerung in unserem Kulturbereich alkoholabhängig sind. Das wären im Kanton Schwyz ca. 4'000 Betroffene.

Die Sekundärprävention hat zum Ziel:

• mehr Menschen die für sie lebenswichtige Hilfe zu ermöglichen,
• erfolgreiche Methoden der Intervention zu vermitteln und
• Konzepte zur Vorbeugung und Früherkennung von Alkoholproblemen zu entwickeln


Alle Bereiche und Hierarchiestufen
Es existieren gewisse Klischees, wie Alkoholkranke sind: Eine Randgruppe, deren Mitglieder von weitem erkennbar sind, obdachlos und stets in Begleitung der Flasche. Dieser Vorstellung entspricht nur ein sehr kleiner Teil der schwerst Kranken.

Der Hauptanteil der Alkoholabhängigen fällt in der Regel nicht durch äussere Anzeichen auf. Die Betroffenen sind in allen Bereichen und auf allen Hierarchiestufen der Gesellschaft integriert. Sie leiden jedoch unter einem Verhalten, das tabuisiert ist, zu dem sie nicht stehen können, weil sie sich schämen und fürchten, stigmatisiert zu werden.

Die Umgebung dieser Menschen leidet mit, weil Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit sich nicht verträgt mit Arbeit und Familie. Im Versuch, die Situation unter Kontrolle zu halten, wird dem Erkrankten zunehmend Verantwortung abgenommen:

Die Kollegen passen auf, dass er nicht auf eine Leiter steigt bei der Arbeit.
Der Chef schläft nicht mehr ruhig, weil er weiss dass der Mitarbeiter viel mit dem Auto unterwegs ist.
Die Ehefrau fühlt sich von ihrem Partner allein gelassen, weil dieser nach dem vielen Bier regelmässig auf dem Sofa einschläft und zu müde ist, um am Familienleben teil zu nehmen.
Der Hausarzt überlegt sich, wie er mit seiner Patientin sprechen soll, weil Laborwerte und andere Befunde auf zu hohen Alkoholkonsum hinweisen.

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